Fachkräftemangel und Unternehmensnachfolge
< zurück

Ob fehlende Fachkräfte oder zunehmende Probleme bei der Unternehmensnachfolge - die sich aus dem demographischen Wandel ergebenden Herausforderungen im Land Brandenburg wachsen und es müssen Lösungen für diese drängenden Probleme geschaffen werden. So ist etwa die heimische Innovativwirtschaft massiv von der Abwanderung der Uniabsolventen betroffen, die das Land nach Beendigung ihres Studiums häufig wieder verlassen. Noch schwerwiegender zeigt sich der Fachkräftemangel bereits heute in vielen handwerklichen Branchen, wo er ein ernstzunehmendes Hindernis für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe darstellt. Zahlreiche Unternehmen beklagen nicht nur zu geringe Bewerberzahlen, sondern kritisieren insbesondere das Niveau und die Inhalte der Schulbildung in Brandenburg. Dem Bedarf nach Auszubildenden und qualifizierten Arbeitnehmern steht daher leider noch immer ein Kontingent von nicht ausbildungsfähigen jungen Menschen gegenüber. Eine enge und frühzeitige Zusammenarbeit von Unternehmen und Bildungseinrichtungen ist unerlässlich, um dies abzustellen.

Den in diesem Zusammenhang wichtigsten europäischen Fördertopf stellt der Europäische Sozialfonds dar. Er stellt Mittel bereit, um die Beschäftigungschancen von Menschen zu erhöhen, unterstützt Ausbildungs- und Qualifizierungsangebote und trägt zum Abbau von Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt bei. Das Land Brandenburg entscheidet im Rahmen seines Operationellen Programms für die Europäischen Strukturfonds selbständig über die Verwendung der ESF-Mittel.

Darüber hinaus rückt die Europäische Union mit der Initiative „Chancen für junge Menschen“ die Förderung arbeitsloser Jugendlicher neu in den Fokus. Unterstützt werden sollen insbesondere Schul- oder Ausbildungsabbrecher/-innen. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Schullaufbahn fortzusetzen oder eine Berufsausbildung in nachgefragten Bereichen aufzunehmen. Die Initiative richtet sich des Weiteren an Hochschulabsolventen/-absolventinnen, die erste Arbeitserfahrungen sammeln möchten.

Die EU-Kommission hat außerdem im Januar 2014 den Ausbau von EURES vorgeschlagen, dem EU-weiten Netz für Arbeitssuche. Durch EURES sollen mehr Stellenangebote zur Verfügung gestellt und die Erfolgswahrscheinlichkeit der Vermittlung erhöht werden. Arbeitgebern, insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen, wird geholfen, Stellen schneller und besser zu besetzen. EURES wird alle EU-weit bereitgestellten Stellenangebote beinhalten, darunter auch Angebote privater Arbeitsvermittlungen. Arbeitsuchende in ganz Europa werden somit unmittelbar auf dieselben Stellenangebote zugreifen können und registrierte Arbeitgeber können anhand eines umfassenden Pools an Lebensläufen rekrutieren. Dadurch wird ein automatischer Abgleich von freien Stellen und Lebensläufen ermöglicht. Des Weiteren werden Grundlageninformationen zum EU-Arbeitsmarkt für alle Arbeitsuchenden und Arbeitgeber in der EU bereitgestellt. Außerdem werden mobilitätsfördernde Leistungen für Bewerber und Arbeitgeber angeboten, um die Rekrutierung und die Integration der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz im Ausland zu erleichtern. Diese Verbesserungen werden Arbeitsuchenden wie auch Unternehmen jeder Größe, insbesondere aber den KMU zugutekommen, die ohne die kostenlosen Leistungen von EURES kaum in der Lage wären, im Ausland Arbeitskräfte zu rekrutieren.

Die CDU Brandenburg fordert die Landesregierung auf, das Problem Fachkräftemangel nicht nur ernst zu nehmen, sondern aktiv und nachhaltig anzugehen. Dazu sollten die von der EU bereitgestellten Möglichkeiten im Rahmen der angesprochenen Fonds und Initiativen gezielt und umfassend genutzt werden. Doch auch tieferliegende Herausforderungen wie die Qualität der Schul- und Ausbildung im Land sowie die Fähigkeit der Region, junge Menschen für ein Leben in der Region zu begeistern, müssen grundsätzlich diskutiert und ganzheitlich politisch beantwortet werden.

ESF zur Bekämpfung des Fachkräftemangels einsetzen

Die CDU Brandenburg verlangt eine verstärkte Nutzung des Europäischen Sozialfonds (ESF), um dem Fachkräftemangel und den Problemen bei der Unternehmensnachfolge zu begegnen. Wir halten es in diesem Zusammenhang für wesentlich, beim Einsatz des ESF eine deutliche Verschiebung zugunsten von Bildung und Wissenschaft vorzunehmen. Die aktuell geplante Budgetsetzung der Landesregierung für diesen Bereich in Höhe von 10% des ESF halten wir angesichts des im Land Brandenburg vorhandenen Bedarfs für zu gering. Darüber hinaus erachtet die CDU Brandenburg die Förderung von Selbstständigkeit, Unternehmertum und Existenzgründung für prioritär.

Ausstattung der Schulen verbessern

Die Schulen in Brandenburg müssen ihre Absolventen besser auf das Berufsleben vorbereiten. Die Ausbildungsfähigkeitsförderung insbesondere der Schüler der 7. bis 9. Klasse sollte deshalb weiterhin durch den ESF gefördert und verbessert werden. In diesen Schuljahren muss gezielter als bisher auf die Qualität insbesondere des Mathematikunterrichts und der naturwissenschaftlichen Fächer geachtet werden. Stundenausfall und fehlende Nachhilfeangebote sind gerade hier nicht länger hinnehmbar. Die Ausstattung der Schulen mit zusätzlichen Mitteln und Lehrkräften ist hier gefordert. Weiterhin halten wir eine enge und frühzeitige Zusammenarbeit von weiterführenden Schulen und lokalen Unternehmen für unerlässlich, um den Schülerinnen und Schülern eine bessere Berufsorientierung zu vermitteln.

Die CDU Brandenburg begrüßt die Einbindung von Schülerinnen und Schülern mit Lernschwächen in den regulären Unterricht an den Grund- und weiterführenden Schulen des Landes außerordentlich. Inklusion ist eine unersetzliche Maßnahme, um insbesondere die Ausbildungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen mit Lernschwächen zu gewährleisten. Ein Leuchtturmprojekt wie die Inklusion muss jedoch auch mit genügend finanziellen Mitteln ausgestattet sein und darf nicht zu einem Sparpaket für unsere Schulen werden - sonst droht die Unterrichtsqualität eher zu sinken als zu steigen.  

Duale Ausbildung stärken

Es ist nicht Aufgabe der Unternehmen, einmal entstandene Wissenslücken bei ihren Auszubildenden zu schließen. Grundlage dafür ist und bleibt das bewährte duale Ausbildungssystem. Dies gilt es aus unserer Sicht auch auf europäischer Ebene zu stärken. Unternehmen müssen die Aus- und Weiterbildung ihres Personals dabei flexibel an die Wettbewerbssituation anpassen können.

Selbständigkeit fördern

Selbstständigkeit muss sich lohnen und gesellschaftliche Anerkennung finden. Wir treten deshalb für ein Maßnahmenpaket ein, das Mut macht und eine positive Stimmung für den Brandenburger Mittelstand fördert. Ein wichtiger Baustein für den Gang in die Selbstständigkeit kann eine Meistergründungsprämie sein. Deshalb wollen wir sie wieder einführen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise wurden innerhalb von 15 Jahren über 13.000 Existenzgründungen im Handwerk mit jeweils 7.500 Euro unterstützt. Diese schufen bzw. sicherten etwa 65.000 Arbeitsplätze.

Datenbanken zur Unternehmensnachfolge einrichten

Die CDU Brandenburg setzt sich dafür ein, mithilfe der Neuen Medien das Wissen und das Knowhow zur Unternehmensnachfolge zu bündeln. Eine landeseigene Datenbank, die alle bekannten Angebote, bspw. der Industrie- und Handelskammern, zusammenführt und online potenziellen Fachkräften zur Verfügung stellt, wäre ein erster Schritt. Hinzukommen müssten entsprechende Begleitangebote, wie etwa Umzugsservice, Immobilien-Pool sowie Kita- und Schulangebote vor Ort. Nur wenn das Land kompakt, professionell und offensiv auftritt, können wir Rückkehrer und neue Fachkräfte für ein Engagement in Brandenburg begeistern.